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Frauenhandball in Deutschland: 25 Jahre Entwicklungsrückstand gegenüber Männern

PannaGo Redactie 28 september 2026 3 min lezen
Frauenhandball in Deutschland: 25 Jahre Entwicklungsrückstand gegenüber Männern

Die deutsche Frauenhandball-Bundesliga hinkt der Professionalisierung hinterher. Während Nationalspielerinnen oft Nebenjobs brauchen und nur einen Bruchteil der Männergagen verdienen, weichen Stars ins Ausland aus. Der DHB hat nun den Grundlagenvertrag mit der Liga gekündigt, um schärfere Professionalisierungsziele durchzusetzen.

Hannings deutliche Kritik trifft einen wunden Punkt

Bob Hanning, ehemaliger Vizepräsident des Deutschen Handballbunds, hat die Frauenhandball-Bundesliga scharf kritisiert. Die Liga befinde sich auf dem entwicklungsstand des Frauenfußballs von vor 25 Jahren, sagte der 58-Jährige. Mit dieser provokanten These warf Hanning erneut ein Schlaglicht auf strukturelle Probleme, die den deutschen Frauenhandball bremsen. Zwar hat die Sportart durch die WM-Silbermedaille im Vorjahr einen enormen Schub erhalten, doch wirtschaftlich und organisatorisch lahmt die Liga noch immer.

DHB kündigt Vertrag – Professionalisierung reicht nicht aus

Der Deutsche Handballbund kündigte 2024 den bis 2027 laufenden Grundlagenvertrag mit der Handballbundesliga Frauen (HBF). Der Grund: Der Verband sieht zu wenig Fortschritt bei der Professionalisierung. Vorstandschef Mark Schober erklärte im Spiegel, man sei mit der Weiterentwicklung der Liga nicht einverstanden. Dabei hatte der Verband 2022 noch große Hoffnungen gepflegt. Seitdem verzeichnete die Liga Erfolge – neue Bestwerte bei Zuschauerzahlen und Livestreams, ein etabliertes Final-Four-Event in Stuttgart und mit Alsco erstmals einen Namenssponsor. In der letzten Saison zog die HBF im Schnitt 1.376 Zuschauer pro Spiel an.

Spielerinnen brauchen Nebenjobs – Gehalt ist das Kernproblem

Der größte Knackpunkt: kaum eine Spielerin kann in Deutschland allein vom Handball leben. Nationalspielerin Jenny Behrend berichtete, dass sie noch einen Minijob für 556 Euro monatlich hat. Torwärterin Oliwia Kamińska vom Buxtehuder SV arbeitet als Versicherungsfachfrau. Zum Vergleich: DHB-Männer verdienen in der Bundesliga oft mehrere Zehntausend Euro netto pro Monat – Spielerinnen der Frauen-Bundesliga oft nur ein Zehntel davon, wenn überhaupt. Bundestrainer Markus Gaugisch wies auf die sportlichen Folgen hin: Wer viele Stunden zusätzlich arbeite, könne nicht ausreichend regenerieren und trainingsfähig sein – ein Nachteil im hochintensiven Handballsport.

Flucht ins Ausland: Dänemark, Ungarn und Rumänien locken

Immer mehr Leistungsträgerinnen weichen deshalb ins Ausland aus. Torwärterin Katharina Filter und Viola Leuchter spielen inzwischen in Dänemark, Emily Vogel in Ungarn, Nina Engel in Rumänien. Dort verdienen sie mehrere Tausend Euro netto – Gehälter, von denen deutsche Spielerinnen nur träumen können. Leuchter berichtete der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: Die Wertschätzung und Sichtbarkeit des Frauenhandballs seien dort deutlich größer. Engel beschrieb ihren neuen Alltag: Trainings und tägliche Verpflegung vom Verein – sie koche seit drei Monaten nicht mehr. "Es hat sich professionalisiert", resümierte sie. DHB-Chef Schober deutet die Abgänge auch als Kompliment für die Ausbildungsarbeit in Deutschland, betont aber: "Wir wünschen uns eine starke Bundesliga, in der möglichst viele der besten deutschen Spielerinnen sichtbar sind."

Mögliche Lösung: Vermarktung durch die Männer-Liga

Eine Idee zur Rettung der Liga: Könnte die Frauenbundesliga künftig von der Handball-Bundesliga der Männer (HBL) vermarktet werden? Der DHB steht diesem Modell offen gegenüber, die Frauen-Liga zeigt sich ebenfalls gesprächsbereit – sofern alle Seiten profitieren. Die HBL allerdings bremst. Sprecher Oliver Lücke betonte: "Wesentliche Schritte einer Professionalisierung müssen aus der HBF heraus getan werden" – insbesondere bei Einnahmen, Gehältern und Sichtbarkeit. Nach seiner Einschätzung liegen zwischen den Profiligen "Welten".

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Bron: Via tz.de (GNews)

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